Die Marktredwitzer Tafel e.V.
         Die Marktredwitzer Tafel e.V.

Aktuelle Presseberichte zur Arbeit der Marktredwitzer Tafel e.V.

Frankenpost, 13. Oktober 2021

Marktredwitzer Tafel vor dem Aus?

Vorsitzende Elsa Richter und ihr Mann Edgar ziehen sich aus Altersgründen zurück. Niemand mag die Nachfolge übernehmen. Hier werden 500 Menschen pro Woche versorgt. Peggy Biczysko

 

Marktredwitz. Müssen 500 Menschen in Marktredwitz in Zukunft hungern? Und das, obwohl es Lebensmittel in Hülle und Fülle gibt? Dieser schlimme Fall könnte durchaus eintreten, wenn nicht in Kürze ein Wunder geschieht. Denn die Marktredwitzer Tafel steht vor dem Aus. Und das, obwohl es in dem Laden in Oberredwitz, der sich in 15 Jahren fast zu einem mittelständischen Unternehmen entwickelt hat, bestens floriert. Denn die treibenden Kräfte – Elsa und Edgar Richter – ziehen sich aus Altersgründen zurück. Und niemand will die Nachfolge übernehmen.

Elsa Richter ist richtig wehmütig ums Herz: „Wir können die Menschen doch nicht allein lassen.“ Andererseits ist es Zeit für sie und ihren Mann, einen Schlussstrich zu ziehen (siehe Bericht unten). Auch wenn die Pandemie die Tafel extrem gefordert hat und viel Fantasie und Kreativität entwickelt werden musste, um die Menschen in Zeiten des Lockdowns weiter versorgen zu können, ist wohl erst jetzt die schwärzeste Stunde über den Verein hereingebrochen.

Eine Tafel wie die in Marktredwitz sucht eigentlich ihresgleichen. Üppiger bestückt als mancher Lebensmittelladen, gibt es für 500 Bedürftige aus rund 150 Familien – „es sind vorwiegend Migranten, aber auch etliche Rentner“ – jede Woche ein unglaublich großes Angebot an frischester Ware. Elsa Richter ist es ein großes Bedürfnis, nach anfänglichem Klinkenputzen vor 15 Jahren Dank zu sagen für „die vielen großen und kleinen Sach- und Geldspenden“. Nur dadurch habe man die Aufgaben erfüllen können. Besonderer Dank gelte dem Edeka-Zentrallager in Marktredwitz, das einen Löwenanteil der Ware beisteuere. Nicht zu vergessen die vielen freiwilligen Helfer – „wir haben einen Stamm von 33 Mitarbeitern“ –, die hinter und vor den Kulissen ehrenamtlich im Einsatz sind.

„Wir haben so viele Menschen persönlich kennenlernen dürfen, die uns an ihrem Schicksal haben teilhaben lassen“, erzählt die Noch-Vorsitzende, die die Stelle kommissarisch bis zu einer außerordentlichen Versammlung besetzt, wo abermals der Versuch unternommen werden soll, eine neue Vorsitzende oder einen Vorsitzenden zu finden. „Wir haben Menschen durch Tod verloren, haben erlebt, wie die Partner von Bedürftigen gestorben sind. Und es sind so viele Schicksale von Migranten!“ Und dennoch sei die Aufgabe immer erfüllend gewesen, versichert Elsa Richter. Und ihr Mann Edgar, der sich zusammen mit zehn Männern allwöchentlich um das Abholen der Waren kümmert, bestätigt mit einem Nicken: „Die meisten Menschen sind sehr dankbar.“

Das Ehepaar, das die Marktredwitzer Tafel aus dem Boden gestampft hat, weil es nicht mehr mit anschauen wollte, dass Abend für Abend gute Lebensmittel in der großen Tonne landen, hinterlässt ein bestens bestelltes Feld. „Wir haben erst kürzlich ein neues Fahrzeug angeschafft, mit dem wir die Lebensmittel abholen.“ Und auch das Team, das bereitsteht, sei hoch motiviert. Natürlich seien altersbedingt schon zwei Drittel der Mitarbeiter aus den Anfangsjahren ausgeschieden. „Doch es sind immer wieder Leute nachgerückt, die die 500 Bedürftigen versorgen.“

Doch jetzt, jetzt ist die Lage prekär. Bei der nächsten Mitgliederversammlung – „die muss vor Weihnachten stattfinden“, sagt Elsa Richter – entscheidet sich die Zukunft des Vereins. Denn würde auch bei einer weiteren Wahl niemand den Vorsitz übernehmen – „die Arbeit könnte künftig ganz anders und vor allem auf mehrere Schultern verteilt werden“ – müsste die Tafel schließen, der Verein würde aufgelöst. „Der Satzung nach bekäme dann die Stadt Marktredwitz das angesparte Geld, „das jedoch ausschließlich für soziale Zwecke eingesetzt werden dürfte“. Die 500 Bedürftigen indes stünden vor dem Nichts.

Noch ist es nicht so weit. Elsa Richter und ihr Mann Edgar appellieren an die Marktredwitzer, die Tafel nicht sterben zu lassen. Nicht nur, dass 30 Helfer jede Woche schnippelten, aussortierten, einräumten und die Ware verteilten, die die zehn Männer von all den Firmen heranschaffen, zu denen die Tafel ein enges Verhältnis aufgebaut hat. „Wir haben noch Beschäftigte, die uns unterstützen: eine Reinigungskraft, ein Steuerberater, ein Mann, der Hausmeistertätigkeiten übernimmt, und jetzt haben wir noch eine 450-Euro-Kraft als Springer und quasi Mann für alles eingestellt.“ Die Tafel sei in angenehmen Räumen nicht nur sehr gut aufgestellt, „der Verein ist rundum gesund“, unterstreicht die scheidende Vorsitzende.

„Nicht zum Selbstzweck, sondern im Interesse eines nicht geringen, unterprivilegierten Personenkreises und damit im Interesse des sozialen Friedens in unserer Stadt bleibt zu wünschen, dass die Existenz des Vereins sichergestellt werden kann“, hofft Elsa Richter.

 

Kommentar

Bedürftige nicht vergessen!

Zunächst einmal allen Respekt vor Menschen wie dem Ehepaar Richter. Denn die beiden – und mit ihnen viele andere Ehrenamtliche – springen da ein, wo sich der Staat klammheimlich zurückgezogen hat. Sie kümmern sich um die Menschen, die Monat für Monat am Existenzminium herumkrebsen. Außerdem wollten die Richters einfach nicht mehr mit ansehen, wie täglich Lebensmittel auf dem Müll landen, nur weil ein paar welke Blättchen außen am Salat hängen, der Brotaufstrich kurz vor dem Verfallsdatum ist oder Schachteln ein wenig eingedrückt sind, ohne dass der Inhalt beschädigt ist.

In 15 Jahren hat das Ehepaar mit vielen Mitstreitern einen wunderbaren Lebensmittelladen aufgebaut, der unter den Tafeln in deutschen Landen seinesgleichen sucht. Kühlhaus, Tiefkühlhaus, Lagerräume, Vorbereitungs- und Verkaufsräume vom Feinsten in einer ehemaligen Metzgerei. Woche für Woche bestens bestückt.

Und dankbar stehen die Menschen hier jeden Donnerstag an, um üppig gefüllte Tüten mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs in Empfang zu nehmen, weil ihr Monatsbudget nicht ausreicht, um sich selbst ausreichend versorgen zu können. Das ist ohnehin ein Armutszeugnis in einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft.

Daher der wirklich dringende Appell an die Menschen, einmal darüber nachzudenken, vielleicht ein paar Stunden wöchentlich zu investieren, um jenen, die im Schatten stehen, weiterhin unter die Arme greifen zu können.

Auch die Stadt oder die Kirche sind hier gefordert. Denn was sollen die 500 Menschen, die jede Woche Unterstützung bekommen, ohne die Tafel tun!?

 

Rentner mit 40-Stunden-Woche

 

Nach dem Arbeitsleben wieder mittenrein: Edgar und Elsa Richter stecken 15 Jahre viel Zeit in die Tafel. Aus Altersgründen ist jetzt Schluss. 

Peggy Biczysko

 

Marktredwitz. „Mir ging es in erster Linie um die Lebensmittelverschwendung.“ Elsa Richter blickt 15 Jahre zurück. Ihre Wurzeln hat die Tafel in der Frauenunion, wo die 75-Jährige stellvertretende Vorsitzende ist. „Da waren etliche Frauen, die mit an einem Strang zogen“, erzählt sie. Doch auch die sind mit der Tafel und mit deren Vorsitzender Elsa Richter in die Jahre gekommen.

„Jetzt wird es Zeit für uns aufzuhören “, sagt sie und blickt hinüber zu ihrem Mann, der mit ihr Woche für Woche um die 40 Stunden für die Tafel und die Bedürftigen im Einsatz ist. „Das ist ein echter Fulltime-Job. Aber schuld sind wir auch ein bisschen selbst“, gesteht die Vorsitzende. „Wir haben einfach zu wenig delegiert, Aufgaben übernommen, die wir auch auf mehrere Schultern hätten verteilen können.“ Dass ihr Mann im Ruhestand wieder in die Arbeit eingetaucht ist, rührt daher, dass er als einstiger Werksleiter des Milchhofs in Sachen Organisation und Hygiene kein Neuling war.

In den vergangenen 15 Jahren hat das rührige Ehepaar im Jahr nicht mehr als ein paar Tage Urlaub gemacht – und das in seinem Ruhestand. „Ich bin jetzt 75, Edgar wird nächstes Jahr 80. Da fehlt schon manchmal die Kraft.“ Einzig am Wochenende gönnen sich die beiden eine Auszeit. Sind aber in Gedanken längst bei den Firmen, die ihnen zuweilen spontan einen großen Schwung Lebensmittel anbieten. „Die müssen halt dann sofort geholt werden“, sagt Edgar Richter. So wurden auch die Arzttermine der beiden immer nach der Tafel ausgerichtet.

Doch trotz des Stresses unterstreicht das Duo, das seit 56 Jahren verheiratet ist: „Die Aufgabe war für uns beide immer erfüllend. Uns geht es gut, vielen leider nicht. Und es ist immer schön gewesen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass es ihnen ein bisschen besser geht. Obendrein haben wir viel Dankbarkeit erfahren“, sagt Elsa Richter.

Für die Vorsitzende und ihren Mann, der eigentlich nur Beisitzer des Tafel-Vereins ist, aber der ebenso viel Elan in die gute Sache steckt wie seine Frau, soll es jetzt in ruhigeres Fahrwasser gehen. „Vielleicht können wir unsere Söhne – 50 und 55 Jahre alt – , die beide in Nürnberg leben, jetzt öfter sehen.“ Eine Kreuzfahrt brauchen die Richters nicht. „Aber mal wieder nach Griechenland – das wäre wirklich schön.“

 

Wer noch übrig bleibt

15 Jahre nach der Gründung stellt Elsa Richter ihr Amt als Vorsitzende zur Verfügung. Ebenso Stellvertreterin Renate Leetz. Doch fand sich bei der Wahl niemand, der den Job übernehmen möchte. Die Stellen sind vakant, Elsa Richter bleibt noch kommissarisch Vorsitzende bis zur nächsten außerordentlichen Versammlung, wo ein zweiter Anlauf genommen werden soll. „Das sollte auf jeden Fall vor Weihnachten der Fall sein.“ Wieder gewählt wurden Ingrid Borchert als Kassiererin und Ilse Fuchs als Schriftführerin. Auch Renate Dengler und Renate Melzner bleiben als Rechnungsführerinnen im Amt. Ein hoch motiviertes Team, das hinter den Mitgliedern des Vorstands steht, wie Elsa Richter versichert, erleichtere den Einstieg in die Arbeit. „Erforderlich sind hohe soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen, pädagogische Fähigkeiten und Organisationstalent. Aber diese Beschäftigung, nämlich Menschen in schwieriger Lebenslage zu helfen und dafür Dankbarkeit zu erfahren, schafft auch Befriedigung.“ Wer Interesse am Vorsitz hat oder gern mitarbeiten möchte, meldet sich unter 09231/82597 bei Elsa Richter.

 

Frankenpost, 08. Dezember 2020

Frankenpost, 01. Dezember 2020

Frankenpost, 06. Mai 2020

Frankenpost, 21.Mai 2019

Frankenpost, 15.Dezember 2018

Kinder beschenken Kinder

Am zweiten Advent hat die Kirchengemeinde Sankt Sebastian in Waldershof einen Familiengottesdienst unter dem Motto „Was uns der Adventskranz sagen will“ gefeiert. Dazu haben alle kleinen Gottesdienstbesucher ein Geschenk für ein anderes bedürftiges Kind eingepackt und mitgebracht. Insgesamt sind 50 Geschenke zusammengekommen, die von der Marktredwitzer Tafel verteilt werden. Das Familiengottesdienstteam gab die Päckchen bei Else Richter ab und hofft, damit vielen Kindern eine Freude zu Weihnachten bereiten zu können. Unser Foto zeigt Bärbel Burger vom Familiengottesdienstteam Waldershof mit ihren beiden Kindern Theresa und Xaver, Ingrid Burger vom Familiengottesdienstteam und Else Richter von der Tafel (von links). Foto: pr.

Frankenpost, 10.Dezember 2018

Lions spenden 300 Stollen an Bedürftige

Einen ganzen Kofferraum und eine komplette Rückbank voll Kisten haben Mitglieder des Lions Clubs Marktredwitz der Tafel geliefert. 300 Stollen waren in den Kisten. Else und Edgar Richter, Leiter der Marktredwitzer Tafel, freuten sich über die Spende. In diesem Jahr sind es sogar 50 Stollen mehr als im vergangenen Jahr. Stolz zeigt Else Richter die gut gefüllten Regale. Gerade in der Adventszeit liegt es ihr am Herzen, dass jedes Kind zum Nikolaus Schokolade bekommt und die bedürftigen Frauen und Männer eine Kleinigkeit zur Hautpflege zum Beispiel. In der kommenden Woche verteilt die Tafel dann die gespendeten Stollen, Kaffee und Süßigkeiten. Bei der Übergabe freuten sich über die Spende des Lions Clubs (von links): Matthias Pausch, Hannes Müssel, beide vom Lions Club, Dr. Hans-Frieder Roblick von der Tafel, Vizepräsident der Lions, Gerald Vornberger, und Else Richter.

 

Text und Foto: Magdalena Dziajlo

 

Frankenpost, 03. Januar 2018

Retten Lebensmittel und bescheren Hilfsbedürftigen damit ein gutes Essen: Ehrenamtliche der Tafel Marktredwitz um Vorsitzende Elsa Richter (vorne Mitte).

 

Die Bedürftigen vor der eigenen Haustür
Von Gertud Pechmann
Im Fichtelgebirge gibt es weniger Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger als noch vor einigen Jahren. Dennoch sind in der Region etliche Menschen auf Hilfe angewiesen.


Landkreis Wunsiedel - Donnerstagmittag bildet sich in der Franz-Schubert-Straße in Marktredwitz vor dem Haus mit der Nummer 18 regelmäßig eine lange Schlange. Alte und junge Menschen, Männer und Frauen stehen dann geduldig an, um bei der Marktredwitzer Tafel günstig Lebensmittel abzuholen. Die ehemalige Metzgerei wirkt wie ein gut sortierter Tante-Emma-Laden: Da gibt es eine Theke mit frischem Obst und Gemüse, Wurst, Käse, Milchprodukte, Eier und Backwaren, Regale voller Konserven, Nudeln und Reis, Süßigkeiten und Hygieneartikeln. Ehrenamtliche Helfer verteilen hier Lebensmittel an die Kunden, die Supermärkte oder Fabriken nicht mehr verkaufen. Auch Serviceclubs und Pfarreien oder Kirchengemeinden tragen mit ihren Spenden dazu bei, Menschen, die wenig Geld haben, das Leben zu erleichtern. „Wir danken unseren Spendern sehr herzlich, denn ohne sie wäre unsere Hilfe nicht möglich“, sagt Elsa Richter, die Gründerin der  Marktredwitzer Tafel. Sie kennt viele Schicksale, die Menschen zur Tafel kommen lässt. Da gibt es Ehepaare, die mit einer minimalen Rente über die Runden kommen müssen, Alleinstehende, die chronisch krank sind und deshalb nicht arbeiten können, Flüchtlinge, Alleinerziehende sowie Grundsicherungs- und Hartz IV Empfänger. Während die Zahl der Flüchtlinge als Tafel-Kunden in Marktredwitz und Wunsiedel zunimmt, verringert sich die Zahl der einheimischen Abnehmer. „Ich kann nur hoffen, dass viele von ihnen in Lohn und Brot gekommen sind“, sagt Peter Finsel, der die Tafel in Wunsiedel leitet. In Arzberg ist die Tendenz nicht ganz so ausgeprägt. „Zu uns kommen etwa 60 Prozent Deutsche und 40 Prozent Flüchtlinge“, sagt Alexander Wagner von der Tafel in Arzberg. Aber egal, ob Einheimische oder Menschen mit Migrationshintergrund: „Zur Tafel gehen Menschen, die unsere Unterstützung brauchen, weil sie sonst nicht über die Runden kommen würden“, sagt Sibylle Pruchnow von der Tafel Selb. Sie will mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit erreichen, „dass diese Menschen etwas besser leben können als ohne Tafel“. Tatsächlich freuen sich viele Kunden über das Angebot ihrer örtlichen Tafel, weil diese ihnen manche gute Mahlzeit beschert. Und Raum für Gespräche bietet. „Viele Rentner sind ganz arm dran“, weiß Elsa Richter von der Tafel Marktredwitz. „Das ist besonders für diejenigen bitter, die ihr Leben lang gearbeitet haben und jetzt merken, dass ihre Altersbezüge nicht ausreichen.“ Sie glaubt nicht, dass den Tafeln in Zukunft die Kunden ausgehen werden. Elsa Richter beschreibt eine scheinbar widersprüchliche Situation: Denn obwohl die Wirtschaft floriert und in Bayern praktisch Vollbeschäftigung herrscht, gibt es Menschen, die auf staatliche oder ehrenamtliche Hilfe angewiesen sind. Die Mitarbeiter der Tafeln in Marktredwitz, Wunsiedel, Arzberg und Selb haben gut zu tun - ebenso wie das Jobcenter Fichtelgebirge. 22 Arbeitsvermittler kümmern sich an den Standorten Marktredwitz und Selb um Menschen ohne Arbeitsstelle. Die Situation ist vergleichsweise gut. So hat sich die Zahl der erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen in den vergangenen zwölf Jahren von 4467 im Jahr 2006 auf 2947 im Jahr 2017 verringert, die Zahl der Langzeitarbeitslosen im selben Zeitraum praktisch halbiert. Die Zahl der Familien, die Hartz IV erhalten, ist von 3324 auf 2180 zurückgegangen. Die verbleibenden Leistungsempfänger aber sind schwer zu vermitteln. „Momentan betreuen wir Menschen, die große Mühe erfordern“, erklärt Jobcenter-Geschäftsführer Hans Plank. „Viele von ihnen müssen erst wieder an ein normales Erwerbsleben herangeführt werden, bevor sie eine Arbeit aufnehmen können.“ Als „Kunden mit vielfachen Problemlagen“ gelten Menschen, die keine schulische oder berufliche Qualifikation haben, deren Leistungsfähigkeit aufgrund von Krankheiten eingeschränkt ist sowie Alleinerziehende. Und solche, die kein Auto haben – denn Mobilität ist im ländlichen Raum Trumpf. Auch Flüchtlinge verlangen nach einer speziellen Betreuung. Sie müssen erst Deutsch lernen, bevor sie eine Arbeit aufnehmen können. Bei den unter 25-iährigen Leistungsbeziehern sind nicht wenige drogenabhängig, notiert das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm des Jobcenters. Dennoch ist Hans Plank optimistisch gestimmt: „Mit der Region geht es aufwärts", ist er überzeugt. Im Jahr 2017 hat das Jobcenter 737 Personen in Arbeit vermittelt – das sind so viele wie nie zuvor. Oft stellen Zeitarbeitsfirmen sie ein oder sie sind in Gaststätten und Hotels oder auch im Baugewerbe tätig. Bleiben noch knapp 3000 Menschen, für die Plank dasselbe anstrebt. Für das Jahr 2018 verfolgt der Jobcenter-Geschäftsführer mit seiner Einrichtung große Ziele: Langzeitarbeitslose sollen in Lohn und Brot gebracht, “Hartz-IV-Karrieren“ vermieden werden. Über 700 anerkannte Flüchtlinge will Plank auf dem Arbeitsmarkt in der Region integrieren“. Und den Anstoß dafür geben, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt werden. Es gibt also viel zu tun. Die Tafeln suchen derzeit übrigens weitere ehrenamtliche Mitarbeiter.

Frankenpost, 18.12.2017

Ein Herz für ärmere Kinder

Weihnachtsgeschenke für Kinder aus ärmeren Familien hatte es beim letzten Familiengottesdienst der Pfarrgemeinde Sankt Sebastian in Waldershof gegeben. Er war unter dem Motto gestanden „Sterne leuchten dir den Weg“. Die Kinder hatten in die Messe Geschenke für andere Mädchen und Jungen mitgebracht, deren Eltern nicht so viel Geld haben. 44 Päckchen hatte das Familiengottesdienstteam am vergangenen Mittwoch bei der Marktredwitzer Tafel abgegeben. Deren Vorsitzenden Elsa Richter und ihr Team hat sie an die Kinder übergeben. Die Weihnachtspäckchen-Aktion wird seit mehreren Jahren vom Familiengottesdienstteam und der Tafel in Marktredwitz getragen. Im Bild von links Elsa Richter bei der Übergabe der Päckchen durch Claudia Härtl und Ingrid Burger. Foto: prv.

Frankenpost, 14.12.2016

Bescherung bei der Tafel

Bericht von Peggy Biczysko

 

Zu Weihnachten gibt es für die Kleinen Plüschtiere, Puppen und Bauklötze. Die Erwachsenen werden mit Stollen und Kaffee beschenkt. Die Einrich­tung versorgt 120 Kinder.

 

Marktredwitz - Wo sich sonst Kon­servendosen und Gläser mit Bohnen, Spargel, Gürkchen, Karotten oder Sellerie stapeln, spitzen aus großen Kartons neugierige Augen von Plüschhunden heraus. Gleich dane­ben schlummert eine Puppe in einer Tragetasche, dahinter türmen sich bunte Bauklötzchen neben kleinen Puppenstuben auf. In der Marktred­witzer Tafel weihnachtet es. “Wir versorgen momentan 120 Kinder”, erzählt Vorsitzende Elsa Richter. “Und die möchten wir zum Fest auch mit Spielsachen und anderen schönen Dingen überraschen.”

Zum Teil ist das Spielzeug nagel­neu, zumindest aber bestens, erhal­ten. “Das sind Spenden von verschie­denen Leuten, die uns unter die Ar­me greifen, damit die Jungen und Mädchen auch eine schöne Besche­rung erleben können”, sagt Richter im Gespräch mit der Frankenpost. Seit fast zehn Jahren dreht sich bei der Rentnerin und ihrem Mann Ed­gar alles um die Tafel, gehen Woche für Woche unzählige Stunden drauf, um ehrenamtlich für rund 550 Bedürftige da zu sein, denen es nicht so gut geht wie den Richters. Insgesamt sind es 31 Mitarbeiter, die sich in den Dienst der guten Sache stellen, 20 von ihnen sind Frauen.

Ja, wir könnten durchaus ein paar mehr Männer brauchen, die uns tat­kräftig unterstützen”, sagt die 70-Jährige. Das Ehrenamt ist für viele leider nicht sehr attraktiv, aber es kommt auch so viel von den Menschen zurück, die dankbar sind, dass wir ihnen helfen. Dabei denkt Elsa Richter an die Augen der kleinen Syrerin, die ihr ein Küsschen auf die Wange haucht, wenn sie mit ihren Eltern und vollen Tüten den Laden in Oberredwitz verlässt. Oder die gebrechlichen Frauen, die von ihrer Rente allein nicht leben können und auf die Hilfe der Tafel angewiesen sind, um satt zu werden.

Die Frauen und Männer, die ihr ein­mal die Woche ihr Leid klagen oder die sich einfach nur darüber freuen, mit jemandem ein paar Worte wechseln zu können.

Mit der Ankunft der Flüchtlinge ist auch die Zahl der Bedürftigen gestiegen, die jede Woche zur Tafel gehen, weil es sonst hinten und vorne nicht langt, um über die Runden zu kommen.

„Von den 550 Men­schen, die wir in 200 Bedarfsge­meinschaften versorgen, sind fast 200 Flüchtlinge. Angefangen haben wir vor knapp zehn Jahren mit 60 Bedürftigen”, erinnert sich die Vorsitzende. Und es sei immer schwieriger, an Ware zu kommen. Daher sind wir unendlich dankbar, dass wir einige Sponsoren haben, die uns auch finanziell unter die Arme greifen, damit wir Miete, Sprit und Heizung zahlen und hin und wieder Dinge zukaufen können, die wir sonst nicht kriegen.”

Um die Tafel Woche für Woche or­dentlich zu bestücken, sind Elsa und Edgar Richter sowie einige Helfer kilometerweit auf Achse. Ob bei Re­we in Neusorg, Siemens in Kemnath, Bahlsen in Neunburg vorm Wald oder Edeka in Lorenzreuth – “wir sind froh, dass wir hier regelmäßig mit Ware versorgt werden”. Aber auch großzügige Privatspender, die lieber anonym blieben, sorgten da­für, dass die Tafel in Marktredwitz am Laufen bleibt.

Vor Weihnachten haben die Eh­renamtlichen noch einmal alle Hän­de voll zu tun, zumal es mehr Spen­der gibt. “Wir haben da eine Frau, die hat 25 Paar Socken für Kinder und Babys gestrickt”, freut sich Elsa Rich­ter über so viel Engagement. „Dann haben wir ja Stollen bekommen und Kaffee, das sind unsere Weihnachts­geschenke für die Erwachsenen.” Eine große Hilfe sei die Unterstüt­zung des Rewe-Marktes in Neusorg gewesen, wo die Mitarbeiter 86 Tü­ten mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln für die Tafel gepackt hätten, um diese zu spenden.

Auch die beiden großen Bäcker Kutzer und Brunner versorgten die Marktredwitzer Tafel mit Brot und Gebäck, “außerdem kriegen wir kistenweise frisches Obst und Gemüse”.

Die Vorsitzende ist begeistert von der Schuhschachtel-Aktion des katholischen Familiengottesdienstes in Waldershof. “Da haben wir 60 Weihnachtspäckchen bekommen, die Kinder mit Spielzeug gefüllt haben. Wir ergänzen das mit Apfelsinen, Lebkuchen und Schokolade,” Diese Geschenke gibt es dann in der kom­menden Woche für die kleinsten Ta­fel-Kunden zur Bescherung.

 

Helfen und retten

Die mehr als 900 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland sammeln überschüssige Lebensmittel von Herstellern und Händlern und ver­teilen diese regelmäßig an bis zu 1,5 Millionen bedürftige Men­schen in der Bundesrepublik. Damit schaffen sie eine Brücke zwi­schen Überfluss und Mangel. Mit fast 60 000 Menschen, die sich bei den Tafeln engagieren, sind diese Einrichtunen eine der größten sozialen Bewegungen in Deutschland. Die Ehrenamtlichen setzen sich ein, um Menschen zu helfen und Lebensmittel zu retten.

 

Öffnungszeiten

Die Marktredwitzer Tafel ist jeden Donnerstag von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Beim Erstbesuch müssen Kunden Folgendes mitbringen: einen Bescheid über Arbeitslosengeld II, den Bescheid über Hartz 4 oder über Grundsicherung, einen Ren­tenbescheid oder den Nachweis über andere Einkommen.

Tafel-Vorsitzende Elsa Richter hat für bedürftige Kinder auch einige Weihnachtsüberraschungen, wie beispielsweise diesen Plüschhund, der an der Leine gehen und auch bellen kann.

Foto: zys

Frankenpost, 22.04.2016

Frankenpost, 09.12.2015

300 Stollen für die Tafel

Alle Jahre wieder zeigt der Lions Club Marktredwitz-Fichtelgebir­ge in der Vorweihnachtszeit ein Herz für bedürftige Menschen. Nun hat eine Abordnung der Marktredwitzer Tafel etwa 300 Weihnachtsstolten überreicht. Dafür bedankten sich die Mitarbeiter der Tafel. Dr. Klaus Maier teilte dabei mit, dass der Lions Club bereits die Tafeln in Selb, Arzberg und Wunsiedel mit Stol­len bedachte. Unser Foto zeigt (von links): die Vertreter des Li­ons Clubs mit Dr. Klaus Maier, Dr. Hans-Frieder Roblick, Uwe Heidel, den Präsidenten des Lions Clubs, Bernd Drechset, Hannes Müssel und Gerald Vornber­ger. Im Vordergrund sind die Mitarbeiterinnen der Tafel, Elsa Richter und Gretl Stübiger, zu sehen

Text und Foto: Günter Rasp

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